Land Stewardship: Vertraglicher Nutzungsverzicht als Schutzmodell
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Land Stewardship etabliert vertragliche Schutzvereinbarungen mit lokalen Landbesitzern als effiziente Alternative zum klassischen Landkauf. Dieses Modell bindet traditionelle Gemeinschaften ein und sichert Wildnisflächen schneller und großflächiger. Finanzielle Zahlungen für den vertraglichen Nutzungsverzicht schaffen eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage für den Erhalt gefährdeter Ökosysteme.
Kernzahlen
- Indigene und lokale Gemeinschaften verwalten weltweit rund 25 Prozent der Landfläche, die 80 Prozent der globalen Biodiversität beherbergt.[1]
- In Lateinamerika und der Karibik sind die Entwaldungsraten in indigenen Gebieten mit gesicherten Landrechten bis zu 50 Prozent niedriger als in vergleichbaren staatlichen Gebieten.[2]
- Im argentinischen Gran Chaco befinden sich über 80 Prozent der Waldflächen in Privatbesitz oder werden von lokalen Gemeinschaften gehalten.[3]
Der klassische Naturschutz setzt häufig auf den vollständigen Erwerb von Flächen durch staatliche oder private Akteure. Land Stewardship verfolgt einen anderen Ansatz. Es belässt das Eigentum bei den lokalen Besitzern und schließt stattdessen verbindliche Verträge über den Nutzungsverzicht ab. Dieses Modell etabliert sich zunehmend als Methode, um großflächige Ökosysteme wie den Gran Chaco zu sichern.
Grenzen des traditionellen Landkaufs
Der Kauf von Naturflächen zur Einrichtung von Reservaten ist kapitalintensiv und langwierig. Grunderwerbssteuern, Notarkosten und langwierige Grundbucheintragungen binden finanzielle Mittel, die dem eigentlichen Flächenschutz fehlen. In vielen Regionen Südamerikas, darunter der argentinische Gran Chaco, befinden sich zudem weite Teile der intakten Wälder in den Händen privater Eigentümer oder indigener Gemeinschaften. Ein Verkauf der angestammten Ländereien wird von diesen Gemeinschaften oft abgelehnt, da sie ihre kulturelle und wirtschaftliche Existenzgrundlage verlieren würden.
Staatliche Schutzgebiete stoßen ebenfalls an ihre Grenzen. Die Ausweisung von Nationalparks führt ohne ausreichende finanzielle Ausstattung für Kontrollen häufig zu sogenannten Papierparks. Diese Gebiete sind formal geschützt, unterliegen de facto aber weiterhin illegalem Holzeinschlag und landwirtschaftlicher Expansion.
Vertraglicher Nutzungsverzicht als Alternative
Land Stewardship löst den Schutz der Biodiversität von der Eigentumsfrage. Anstatt die Fläche zu erwerben, schließen Schutzorganisationen und lokale Landbesitzer langfristige Verträge ab. Die Eigentümer verpflichten sich, auf industrielle Landwirtschaft, Abholzung oder übermäßige Beweidung zu verzichten. Im Gegenzug erhalten sie vertraglich festgelegte Zahlungen, die den entgangenen wirtschaftlichen Nutzen abdecken.
Dieses Modell schafft eine direkte wirtschaftliche Alternative zur Abholzung. Wenn der Erhalt des Waldes ein regelmäßiges Einkommen generiert, entfällt der ökonomische Druck, das Land für die Sojaproduktion oder Rinderzucht zu roden. Die vertraglichen Vereinbarungen beinhalten klare Kontrollmechanismen, oft durch Satellitenüberwachung gestützt, um die Einhaltung des Nutzungsverzichts zu verifizieren.
Einbindung lokaler Gemeinschaften
Die Wirksamkeit von Flächenschutz steigt, wenn die lokale Bevölkerung ein wirtschaftliches Interesse am Erhalt der Ökosysteme hat. Indigene und traditionelle Gemeinschaften verfügen über ein tiefes Verständnis für die lokalen Ökosysteme. Land Stewardship integriert dieses Wissen in das Management der Flächen.
Internationale Studien zeigen die Effizienz dieses Ansatzes. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stellte 2021 fest, dass die Entwaldungsraten in Wäldern, die von indigenen Gemeinschaften verwaltet werden, in Lateinamerika und der Karibik deutlich niedriger sind als in anderen Waldgebieten. Durch vertragliche Vereinbarungen erhalten diese Gemeinschaften die notwendigen finanziellen Ressourcen, um ihre Gebiete aktiv gegen Eindringlinge und illegale Abholzung zu verteidigen.
Umsetzung im Gran Chaco
Der Gran Chaco ist das zweitgrößte Waldgebiet Südamerikas und verzeichnet gleichzeitig eine der höchsten Entwaldungsraten weltweit. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Argentinien, insbesondere das Waldgesetz (Ley de Bosques), weisen den Waldflächen unterschiedliche Schutzkategorien zu. Dennoch schreitet die legale und illegale Rodung fort, da die staatlichen Mittel zur Durchsetzung oft fehlen.
Stewardship-Verträge, wie sie im Projekt Las Ramaditas in der Provinz Salta Anwendung finden, setzen hier an. Sie bieten privaten Landbesitzern und lokalen Gemeinschaften eine finanzielle Perspektive, die über den Vorgaben des staatlichen Waldgesetzes liegt. Die Verträge sichern die Flächen vor der Umwandlung in Agrarland und finanzieren gleichzeitig Maßnahmen zur Brandverhütung und Überwachung. Unternehmen, die sich für den Schutz von Biodiversität engagieren möchten, können diese Modelle unterstützen. Solche Engagements sind ESRS-E4-ausgerichtet und ermöglichen eine messbare Förderung lokaler Schutzinitiativen, ohne den langwierigen Prozess eines Landkaufs zu durchlaufen.
Quellen
- Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES): Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services (2019). https://www.ipbes.net/global-assessment
- Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) & FILAC: Forest Governance by Indigenous and Tribal Peoples (2021). https://www.fao.org/documents/card/en/c/cb2953en/
- The Nature Conservancy (TNC): The Gran Chaco: A Disappearing Wilderness (2020). https://www.nature.org/en-us/about-us/where-we-work/latin-america/argentina/gran-chaco/